Welcher Schreibtyp sind Sie?

Frage: Ich bin so unzufrieden: Ich springe beim Schreiben im Text hin und her oder recherchiere und lese zwischendurch. Jetzt habe ich viele lose Textteile meiner Dissertation. Ich glaube, ich muss mich besser konzentrieren, damit ich endlich am Stück schreiben kann. Was könnte mir helfen?

Antwort: Sie beobachten Ihre Arbeitsweise genau und sprechen an, womit Sie unzufrieden sind. Das ist bereits der beste Weg, das eigene Schreiben zu verbessern! Damit Sie Ihre eigenen Stärken und Schwächen beim Schreiben noch besser verstehen, können Sie Ihren Schreibtyp ermitteln. Dabei ist es gerade wichtig zu schauen, wie Ihre Texte Stück für Stück entstehen.

Wir Schreibcoachs beobachten hauptsächlich vier Schreibtypen:

  1. Drauflosschreibende, die sozusagen auf dem Papier denken und schreibend eine Idee ihres Textes entwickeln,
  2. Planende, die erst ,im Kopf‘ ihren Text vorbereiten, eine Gliederung entwerfen und sich dann daran entlang schreiben,
  3. Teilchenschreibende, die zwischen verschiedenen Aktivitäten und im entstehenden Text selbst gerne springen und
  4. Versionenschreibende, die Teile oder ganze Texte immer wieder neu schreiben, bis sie zufrieden sind.

Dazwischen gibt es unendlich viele individuelle Variationen und Kombinationen.

Schule und Hochschule sozialisieren uns leider einseitig als Planende.

Auch die meisten Schreibratgeber basieren auf dieser Idee. Dadurch hält sich hartnäckig der Mythos, diese Art sei die einzig ,richtige‘. Das macht allen zu schaffen, die anders schreiben. Sogar Planende hadern oft mit dem vermeintlichen Anspruch nach dem ,perfekten Plan‘.

Tatsächlich ist es dem Text egal, wie er entsteht!

Schreiben Sie so, wie es zu Ihnen passt. Je nach Schreibtyp sollten Sie Ihre Reibungsverluste allerdings gezielt angehen. Ich nehme an, Sie haben sich hier inzwischen als „Typ 3“ wiedererkannt? Da könnten Strategien helfen, mit denen Sie den Überblick über Ihre Textteile bewahren: Vielleicht helfen Ihnen Zwischenüberschriften, die Sie später wieder löschen. Oder Gespräche über den inhaltlichen Fokus bringen Sie weiter. Dann könnten regelmäßige Schreibcoachings oder Textfeedbacks das Richtige für Sie sein.

Ich grüße Sie herzlich aus dem [schreibzentrum.berlin]

Ihre
Dr. Daniela Liebscher

Helene Tello