Frage: Meine Dissertation ist eigentlich fertig. Aber jedes Mal, wenn ich sie zum Korrekturlesen öffne, finde ich neue Stellen, die ich noch anders formulieren möchte. Wie schaffe ich es, beim Korrekturlesen nicht wieder mit dem Schreiben anzufangen?
Antwort: Das ist eine verbreitete Schwierigkeit und sie ist sehr gut nachvollziehbar. Beim Schreiben ist nämlich fast jede Stelle eine Einladung zur Veränderung: Könnte ich das noch präziser sagen? Wäre eine andere Formulierung besser? Beim Korrekturlesen geht es hingegen darum, zu prüfen, ob tatsächlich etwas korrigiert werden muss.
Sie müssen also vom Schreibmodus in den Prüfmodus wechseln. Das ist nicht ohne. Um diesen Rollenwechsel zu erleichtern, machen Sie ihn sich bewusst und inszenieren Sie ihn ruhig ein wenig. Drei Schritte helfen dabei:
1. Wechseln Sie das Setting
Setzen Sie sich zum Korrigieren an einen anderen Ort, drucken Sie den Text aus, damit er wie etwas „Fertiges“ aussieht, das wirklich nur noch korrigiert werden muss, oder lassen Sie ihn sich vom Computer vorlesen (in Word: Überprüfen > Laut vorlesen). Die fremde Stimme schafft Distanz, und Sie hören, wo sich Wiederholungen ballen oder Sie den Faden verlieren.
2. Legen Sie fest, was Sie prüfen
Nicht „Ich lese noch einmal alles“, sondern ein klarer Auftrag pro Durchgang: erst das Größere (etwa die Einheitlichkeit zentraler Begriffe), dann das Kleinere (Rechtschreibung und Kommas), damit sich beim Korrigieren keine neuen Tippfehler einschleichen.
3. Trennen Sie Finden und Ändern
Ändern Sie beim Lesen nichts sofort, sondern markieren Sie nur und lesen Sie weiter. Die Markierungen arbeiten Sie später in einem eigenen Schritt ab, mit einer einfachen
Damit es ein Ende hat: Legen Sie fest, wann Schluss ist
Setzen Sie einen Abgabetermin und planen Sie rückwärts. Nach der letzten inhaltlichen Änderung reichen meist zwei Korrekturdurchgänge. Und bedenken Sie: Gutachtende prüfen nicht jede Formulierung auf hübschere Alternativen. Entscheidend ist, dass Ihre Formulierungen korrekt und verständlich sind. Nicht jede denkbare Verbesserung ist auch eine notwendige. Irgendwann ist es gut und dann dürfen Sie loslassen.
Viel Erfolg beim Endspurt wünscht Ihnen aus dem [schreibzentrum.berlin]
Dr. Susanne Schuster
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