Was tun, wenn der Rohtext zu umgangssprachlich klingt?

Vignette des [schreibzentrum.berlin] zu Montags-#Schreibtipps rund ums wissenschaftliche Schreiben zeigt einen Doktorhut auf einem BücherstapelFrage: Was kann ich tun, wenn mein Rohtext zu umgangssprachlich klingt?

Antwort: Viele Schreibende kennen das: Der Rohtext fließt relativ gut, aber beim Wiederlesen klingt er eher wie ein Gespräch oder eher umgangssprachlich als ein durchdachter, akademischer Text. Das ist aber kein Fehler, das ist typisch für Rohtexten. Und für die meisten Schreibenden ist das der Anfang eines guten wissenschaftlichen Textes. Von hier aus erfolgt das Überarbeiten und genau dafür gibt es Strategien.

Trennen Sie Schreiben und Überarbeiten konsequent.

Der Rohtext ist nicht der fertige Text – er ist Rohmaterial. Wenn Sie ins Schreiben kommen, ohne sofort zu bewerten und damit unsicher zu werden, leisten Sie bereits wertvolle Vorarbeit. Umgangssprachliche Formulierungen im Rohtext sind ein Zeichen dafür, dass Sie in einem natürlichen Denkfluss geschrieben. Das ist gut so, denn es ist eben Denkarbeit, die dem Schreiben vorangeht oder: genau währenddessen passiert. Die Stilarbeit beginnt erst danach.

Überarbeiten Sie in Runden – und mit Abstand.

Legen Sie den Rohtext für eine Weile beiseite, bevor Sie ihn überarbeiten. Mit zeitlichem Abstand lesen Sie Ihren Text mit anderen Augen und erkennen leichter, wo der Ton noch zu locker ist. Lesen Sie sich selbst den Text dann laut vor: Was sich sperrig anhört oder zu informell klingt, fällt beim Vorlesen deutlicher auf als beim stillen Lesen.

Fragen Sie sich: Welche Textsorte schreibe ich?

Akademische Texte, Berichte und Fachartikel folgen anderen Konventionen als Blogbeiträge oder E-Mails. Machen Sie sich Ihre Zielgruppe immer wieder bewusst: Für wen schreiben Sie? In welchem Kontext wird der Text gelesen? Diese Fragen helfen Ihnen, beim Überarbeiten gezielt umzuformulieren – nicht alles auf einmal, sondern Satz für Satz.

Nutzen Sie Formulierungshilfen als Brücke.

Wenn Ihnen beim Überarbeiten keine passende Formulierung einfällt, kann es helfen, sich Textbeispiele aus wissenschaftlichen Artikeln anzusehen, die Ihnen selbst gefallen haben. Was schreiben andere in diesem Fach oder Genre? So entwickeln Sie ein Gefühl für den Ton, den Ihr Text entwickeln soll.

Das Überarbeiten ist, wie das Schreiben selbst, eine Fähigkeit, die mit der Übung wächst. Bleiben Sie dran!

 

Es grüßt herzlich aus dem [schreibzentrum.berlin]

Ihre Dr. Lena Eckert

E. Liebscher