Frage: Ich schreibe meine Dissertation auf Englisch, das ist aber nicht meine Muttersprache. Beim Schreiben komme ich manchmal ins Stocken: Soll ich in meiner Muttersprache schreiben und dann übersetzen? Gleich auf Englisch zu schreiben ist für mich recht mühsam und dauert lange.
Antwort: Dieser Blogbeitrag erscheint am Europäischen Tag der Sprachen, mit dem die Mehrsprachigkeit in Europa sowie die sprachliche und kulturelle Vielfalt Europas gefeiert wird. Ein guter Tag also, um sich dieser Frage zu widmen, die viele Promovierende zwischen mehreren Sprachen beschäftigt. Die gute Nachricht: Es gibt keine falsche Antwort – es kommt darauf an, was Sie gerade brauchen.
Es kommt darauf an
Wenn es zunächst nur darum geht, Gedanken aufs Papier zu bringen oder einen ersten Einstieg ins Schreiben zu finden, kann es sehr hilfreich sein, zunächst einmal ein Freewriting in Ihrer Muttersprache zu machen. Beim Freewriting schreiben Sie einfach drauflos, ohne sich um Fehler oder Stil zu kümmern: Der Fokus ist darauf, die Gedanken niederzulegen. In der Sprache, die für Sie am intuitivsten ist, fällt es leichter, Gedanken zu formulieren. Auch ist der „innere Kritiker“ leiser, der bei Zweifeln an Wortwahl und Ausdruck das Schreiben verkomplizieren könnte.
Beim ersten Entwurf der Rohfassung sollten Sie jedoch dann in die Zielsprache des Textes wechseln, also ins Englische. Wissenschaftliches Englisch hat eigene Satzmuster, feste Wendungen und eine bestimmte Argumentationslogik. Wer erst auf Deutsch oder in der Muttersprache formuliert und dann übersetzt, überträgt oft ungewollt fremde Satzstrukturen; der Text klingt übersetzt. Auch müssen Sie den Text zwei Mal durchdenken: einmal beim Erstentwurf in der Muttersprache und dann noch einmal beim Übersetzen.
Englisch als Denksprache üben
Wenn Sie aber Ihre Englischkenntnisse weiterentwickeln möchten, lohnt es sich mittelfristig, den Denkprozess direkt auf Englisch zu üben. Die Freewriting-Methode eignet sich auch hierfür: Eine gute Idee ist es, sich anzugewöhnen, kleine Zwischenreflexionen oder Notizen auf Englisch als Freewriting zu verfassen, z.B. in einem Forschungsjournal. Damit verbessern Sie Ihre Sprachkenntnisse und lernen nach und nach auch komplexere Gedanken auf Englisch auszudrücken. Je nachdem, was gerade im Vordergrund steht und was Ihre langfristigen Ziele sind, sind also beides gute Wege.
Viel Spaß beim mehrsprachigen Schreiben wünscht Ihnen aus dem [schreibzentrum.berlin]
Dr. Andrea Adams
Lesen Sie zu diesem Thema auch „Englische Artikel verfassen“ von Dr. Lena Eckert und „Wie Sie mit Ihrem Forschungsjournal produktiv arbeiten können“ von Dr. Sven Arnold