Wie Sie Künstliche Intelligenz (KI) fürs Texten nutzen können

Frage: In meinem Institut sollen wir für Blogbeiträge, Newsletter und Social Media mehr ChatGPT nutzen, um effizienter zu werden. Doch beim Texten habe ich Bauchschmerzen: Wie kriege ich die KI dazu, so zu schreiben, wie wir es brauchen?

Antwort: Der Hype um KI verspricht Effizienz und Kostenersparnis. Tatsächlich aber ist beim Texten Vorsicht geboten. Denn KI-Texte, die blindlings übernommen werden, sind schnell also solche zu entlarven. Deshalb sind ihre Bauchschmerzen durchaus berechtigt. Damit KI-Texte nach Ihnen und Ihrer Organisation klingen, müssen Sie die KI trainieren.

Ein Beispiel aus einem Newsletter: „Ich bin gerade dabei, meine Ausrichtung neu zu definieren. Nicht erst seit gerade eben, sondern schon eine ganze Weile. Die Arbeit, die sich immer sinnstiftend angefühlt hat, fühlte sich Ende letzten Jahres plötzlich nicht mehr so an.“

KI-Texte mit Floskeln und schlechtem Stil

Dieser Satz steckt voller KI-Floskeln: Da die Autorin im ersten Satz darauf verweist, dass sie ihre Ausrichtung neu definiert, vermittelt sie, dass sie einen Änderungsprozess durchläuft. Das „gerade eben“ ist ein Pleonasmus, als der berüchtigte „weiße Schimmel“. Eines der beiden Begriffen würde langen. Der zweite Satz:“Nicht erst seit gerade eben, sondern schon eine ganze Weile“ gibt insgesamt keine neue Information, wir können ihn weglassen. Zudem ist diese „Nicht nur, sondern“- Konstruktion eine Lieblingsformulierung von ChatGPT. Das anschließende doppelte „fühlen“ ist einfach schlechter Stil. Und was die KI ebenfalls liebt: Dass sich etwas „plötzlich“ anders anfühlt, „plötzlich“ anders aussieht. Aber was ist konkret anders? Die KI imitiert damit Spannung, aber der spannende Inhalt fehlt.

Wollen Sie mit Künstlicher Intelligenz Texte verfassen, sollten sie drei Punkte beherzigen.

  1. Auswahl des Tools: Mit ChatGPT ist es mitunter langwierig, einen passenden Schreibstil zu entwickeln, selbst in eigens angelegten GPT. Probieren Sie einmal Claude aus. Oder Neuroflash, eine deutsche KI, die sich aufs Texten spezialisiert hat. Auch die Wortliga bietet einen KI-Textgenerator.
  2. Strukturelles Prompten: Geben Sie einen strukturierten Prompt ein, der der KI eine Rolle überträgt, den Kontext, die genaue Aufgabe mit Inhalt und den Stil beschreibt, den der gewünschte Text auszeichnen soll. Schreiben Sie auch, was die KI nicht soll, also wo die Grenzen (Constraints) liegen.

Ein Prompt-Beispiel, das Sie auf Ihre Inhalte anpassen:

  • Rolle: Du bist freiberufliche Texterin mit Sprachgefühl und Expertise im wissenschaftlichen Schreiben.
  • Kontext: Der Text/Blogbeitrag/Social-Media-Post zielt auf junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre erste Stelle in der Wirtschaft antreten.
  • Inhalt: Verfasse einen Text, der in prägnanter Sprache die Inhalte [xy … hier die eigenen Inhalte einfügen] erstellt.
  • Stil und Tonalität: Der Text soll aktiv und verbgetrieben geschrieben sein und konkret bleiben. Er soll die junge Zielgruppe in einer fröhlichen, unterstützenden Art ansprechen und zudem mit Einleitung, Hauptteil und Fazit klar strukturiert sein.
  • Begrenzung: Vermeide Formulierungen wie „nicht nur, sondern auch …“ und „plötzlich“. Schreibe mit so wenig Adjektiven als möglich.
  • Aufgabe: Entwickle Überschrift und Zwischenüberschriften für den Artikel mit jeweils drei Alternativen.
  • Ausgabe-Format: Füge die Überschriften und ihre Alternativen hintereinander über dem Text ein und auch die jeweiligen Zwischenüberschriften als Alternativen an die richtigen Stellen des Textes.
  1. Nachbessern: Sagen Sie der KI immer wieder, was Sie in den Texten nicht wollen und „füttern“ sie mit Beispieltexten. Mit der Zeit werden die Text-Outputs besser. Aber Zeit müssen Sie investieren. Und bedenken Sie: Das letzte Wort im wahrsten Sinne müssen Sie haben. Überarbeiten Sie also den KI-Text und ändern Sie ihn so, damit er inhaltlich und stilistisch zu Ihrer Organisation passt.

 

Es grüßt Sie herzlich aus dem Schreibzentrum:

Christina Denz

Dozentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

E. Liebscher