Zu viele Quellenbelege im Text?

Frage:

Auf einen Kapitelentwurf zu meiner Dissertation erhielt ich die Rückmeldung, ich würde zu viel belegen. Das irritiert mich. Wie viele Belege braucht man denn?

Antwort:

Ihre Irritation verstehe ich. Kann man überhaupt „zu viel“ belegen, wenn Belege doch zwingend zum Ausweis wissenschaftlicher Texte gehören? Tatsächlich gibt es kein festes Maß dafür, wie viele Belege es mindestens sein sollten und höchstens sein dürfen.

Was bedeutet „zu viele“ Belege?

„Zu viel“ ist keine konkrete Anzahl, sondern eher ein auf Erfahrung gründender Vergleichswert. Menschen, die beruflich viele wissenschaftliche Texte lesen – Reviewende, Redakteur*innen, Betreuende – fällt eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Belegen, Verweisen und Referenzen in einem Text oder Abschnitt unmittelbar auf. Wenn diese Profis Belege nicht nur als „viel“, sondern als „zu viel“ wahrnehmen, bedeutet das, dass sie einen Teil der Belege für unnötig erachten.

Was sind unnötige Belege?

Unnötige Belege haben keinen Mehrwert. Dies kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn Sie eine Aussage oder ein Argument mit drei Referenzen stützen, obwohl die dritte Referenz die Glaubwürdigkeit der Aussage nicht weiter erhöht als die ersten beiden. Ebenfalls unnötig sind Belege zu Aussagen, die für die Leserschaft zu einem Fachwissen gehören, welches für sie bekannt, unstrittig und als gültig anerkannt ist.

Umgekehrt sind Belege dort nötig, wo Sie Aussagen und Informationen nicht als allgemeines oder fachliches Grundwissen voraussetzen können oder es sich um spezifisches oder kontrovers diskutiertes Fachwissen handelt. So hängt es immer von der jeweiligen Leserschaft Ihres Textes ab, was und wie viel Sie belegen müssen.

Unnötige Belege wirken negativ

Bei vielen unnötigen Belegen im Text kann der Eindruck entstehen, Sie belegten so viel entweder aus Unsicherheit, um sich abzusichern, oder aus Geltungsdrang, um zu zeigen, was Sie alles gelesen haben. Beides wirkt innerhalb der Community unangenehm. Schreiben Sie stattdessen selbstbewusst als Fachperson im Dialog mit anderen Fachpersonen.

Herzliche Grüße aus dem [schreibzentrum.berlin]

Ihr

Dr. Sven Arnold

 

 

Julia Bodenburg