Frage: Meine Forschungsgruppe wird ein einwöchiges Schreibretreat auf dem Land durchführen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, mit anderen Menschen gemeinsam in einem Raum zu schreiben. Was soll ich tun?
Antwort: Ich höre zwei Anliegen aus Ihrer Frage: Zum einen möchten Sie den Sinn des Formats verstehen. Zum anderen vermuten Sie, durch die ungewohnte soziale und körperliche Nähe beim Schreiben eher gestört oder sogar belastet zu werden.
Tatsächlich ist ein sicheres Schreibumfeld entscheidend für den persönlichen Schreiberfolg. Das Retreat beruht nun darauf, das gewohnte Schreibumfeld bewusst zu verlassen. Das geschieht aber nicht planlos. Im Gegenteil: Der Schlüssel für das Gelingen liegt in einer sorgfältigen Gestaltung des Ortswechsels. Hier können Sie ansetzen und Ihre Bedürfnisse einbringen.
1. Schreibretreats sind Fokus-Zeit
Schreibretreats von Forschenden dauern meist ein oder zwei Tage bis hin zu einer Woche. Dafür suchen sich die Beteiligten gerne einen ansprechenden Ort fernab vom Alltagsgeschehen, an dem bestenfalls auch für ihre Verpflegung gesorgt ist. Die Schreibenden erleben durch diesen Rahmen, dass es sich buchstäblich um eine Auszeit vom Alltag handelt. Zeit und Energie werden frei, um sich auf das Schreiben zu konzentrieren.
So sorgen Sie für sich: Informieren Sie die Organisator_innen, wenn Sie im Retreat besondere Ruhe-, Schlaf- und Ernährungsgewohnheiten beibehalten möchten oder müssen. So kontrollieren Sie bereits die größten Unwägbarkeiten des Ortswechsels.
2. Schreibretreats sind Fortbildungen im professionellen Schreiben
Die meisten Retreats haben eine feste Tagesstruktur. Mal ist diese selbstorganisiert, mal wird sie von einer Person oder einem Team moderiert. Denn ein zuverlässiger Ablauf erlaubt den Schreibenden das innere Loslassen und den Flow. In vielen Retreats erhalten die Schreibenden nach Bedarf außerdem kurze Inputs und/oder die Möglichkeit für Einzelcoachings, um ihren Schreibprozess reibungsloser zu gestalten. Schreibende üben in Retreats auf jeden Fall Schreibroutinen ein und erweitern ihr Methodenrepertoire.
So sorgen Sie für sich: Probieren Sie neue Schreibimpulse im geschützten Rahmen des Retreats aus. Finden Sie mit Hilfe der Moderation andere Lösungen, die besser zu Ihnen passen, falls Ihnen bestimmte Methoden oder Abläufe nicht behagen. Betrachten Sie ein Retreat als Fortbildungsmöglichkeit für Ihr professionelles Schreiben.
3. Schreibretreats dienen der beruflichen und persönlichen Vernetzung
Vor allem die Geselligkeit beim Schreiben trägt zur besonderen unterstützenden Atmosphäre von Retreats bei. Da Schreiben über weite Strecken ein einsames Geschäft ist, schaffen Retreats hier einen gesunden psychischen Ausgleich. Vor allem wissenschaftlich Schreibende erleben sich hier als Teil einer wertschätzenden Community, was im alltäglichen Wissenschaftsbetrieb leider nicht immer gegeben ist. In Retreats entstehen daher oft Schreibtandems oder -gruppen, die sich anschließend weiterhin gegenseitig coachen und motivieren.
So sorgen Sie für sich: Klären Sie vor dem Retreat oder auch bei Bedarf mit der Leitung und mit der Gruppe, dass Sie eventuell selbstbestimmte Rückzugsräume und/oder Ruhezeiten brauchen. Vielleicht möchten Sie lieber in Ihrem Einzelzimmer statt im Gruppenraum schreiben? Finden Sie miteinander Lösungen, wie und wann Sie in diesem Fall auch am Gruppengeschehen teilhaben können.
Viel Erfolg wünscht Ihnen aus dem [schreibzentrum.berlin]
Ihre
Dr. Daniela Liebscher
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