Schreibdoc – Schreibberatung für Promovierende

Bücher übers Schreiben: Meine Handbibliothek

Das hier ist ein Ausschnitt aus meiner Handbibliothek: Sie begleitet mich seit Jahren. Ich liebe es, nach Schreibratgebern zu suchen, die mich und meine Arbeit anregen und unterstützen. Ich nehme nur diejenigen Bücher auf, die ich in der Nähe haben möchte als „gute Freunde“.

Vom Anwachsen der Schreiberfahrungen

Meistens leihe ich mir Schreibbücher über eine der großen Berliner Bibliotheken aus oder lasse mir von Kolleg*innen Bücher empfehlen und entscheide dann, ob ich sie in meine Handbibliothek und zu mir passen. Oder ich recherchiere – dem Internet sei Dank – in Textauszügen und Inhaltsverzeichnissen von Neuerscheinungen, lese in den Stil der Autor*innen und Expert*innen hinein und verlasse mich auf meinen ersten Eindruck. Was mir gefällt, bestelle ich dann.

Natürlich hat das Auswählen auch mit meiner wachsenden Erfahrung zu tun. Ich habe in meiner Trainer- und Beratungslaufbahn meine persönlichen Schwerpunkte entwickelt:

1. Schreib- und Laufbahncoaching für Promovierende
2. Forschungsanträge schreiben
3. Writing retreats und anderes Formen des geselligen Schreibens
4. Fachspezifisches Schreiben für Historiker*innen
5. Schreibdidaktik und (Schreib)Beratung

Ich freue mich, wenn Kolleg*innen oder Schreibende zu meinen Veranstaltungen kommen und dabei auch in meiner Handbibliothek stöbern.

Auf Deutsch …

Meine Handbibliothek ist auch mit der Etablierung der deutschsprachigen Schreibdidaktik angewachsen.

Als ich vor 20 Jahren meine Ausbildung zur „Schreibtrainerin für wissenschaftliches und berufliches Schreiben“ bei Lutz von Werder, Barbara Schulte-Steinicke und Brigitte Schulte am Berliner Institut für Kreatives Schreiben e.V. absolvierte, fand man neben Lutz von Werder und Otto Kruse kaum deutschsprachige Ratgeber und Studien zum wissenschaftlichen und beruflichen Schreiben. Ich erinnere mich noch, dass wir während der Ausbildung in den Keller der Alice Salomon-Hochschule gingen, an der Lutz von Werder lehrte, und dort aus dem Fundus an Broschüren und Konzeptpapieren unseres Ausbildungsteams zu Schreibseminaren heraussuchen durften, was uns nützlich erschien. Ideen und Input für meine eigenen Workshops zum wissenschaftlichen Schreiben holte ich mir später aus der angelsächsischen Literatur. Und wir Absolventinnen veröffentlichten zunehmend auch selbst.

In meiner ersten Rezension von Schreibratgebern 2008 (gemeinsam mit Katrin Girgensohn) für H-Soz-u-Kult, der Informationsplattform für deutschsprachige Historiker*innen, war schon das famose Buch „Frei geschrieben“ von Judith Wolfsberger aus Wien dabei, auch der Band zu den „Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf“ von Andrea Frank, Stefanie Haacke und Swantje Lahm. Die Autorinnen sind allesamt Pionierinnen der deutschsprachigen Schreibdidaktik, sei es als Freiberuflerin (Writers‘ studio, Wien) oder als Schreibberaterinnen an der Universität (Schreiblabor der Uni Bielefeld).

Wolfsbergers Buch ist inzwischen in der 4. und bearbeiteten Auflage (2016) erschienen und verfügt über eine eigene Webseite, den Band der Bielefelderinnen gibt es in der 2. erweiterten Auflage (2013). Allein im utb-Verlag ist die Anzahl deutschsprachiger Ratgeber zum wissenschaftlichen Schreiben beeindruckend groß, und jedes Jahr kommen ein paar Neuerscheinungen dazu. Das wird an den großen Mengen der „roten Ratgeber“ in meinen Regalen auf Anhieb sichtbar. Die Fachgesellschaft „Gesellschaft für Schreibdidaktik und Schreibforschung“ (gefsus), die seit 2013 mehrere hundert deutsche Schreibberatende sowie Schreibzentren unter einem Dach vereint, gibt eine eigene Buchreihe für schreibwissenschaftliche Forschungsarbeiten heraus und hat JoSCH, das „Journal der Schreibberatung“, als Mitgliederzeitschrift „adoptiert“.

Und auch online …

An meiner Handbibliothek sieht man es zwar nicht, aber es gibt außerdem wertvolle Online-Angebote: Die Zürcher „Zeitschrift Schreiben“ als älteste deutschsprachige Open Access-Zeitschrift zur Schreibdidaktik (seit 2006), Blogs zum Promovieren und zum Schreiben, Open Access-Angebote von Fachliteratur zum Schreiben … Die Vielfalt wächst.

Meine analoge Handbibliothek werde ich dennoch weiter pflegen. Mir gefällt es, andere Erfahrungen im Umgang mit dem Schreiben und dem Anleiten und Begleiten von Schreibenden in meinem Arbeitsumfeld zu zeigen. Insofern sind die Bücher nicht nur „gute Freunde“, sondern auch stellvertretend anwesend für Kolleg*innen, mit denen ich gerne zusammenarbeite!

Literatur:

  • Andrea Frank/Stefanie Haacke/Swantje Lahm, Schlüsselkompetenzen: Schreiben in Studium und Beruf, Stuttgart 2. erw. Aufl. 2013 (Erstauflage 2007).
  • Otto Kruse, Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium, 12., völlig neu bearb. Aufl. Frankfurt/New York 2007 (Erstauflage 1993).
  • Lutz von Werder, Lehrbuch des wissenschaftlichen Schreibens, Berlin/Milow 1993.
  • Judith Wolfsberger, Frei geschrieben. Mut, Freiheit & Strategie für wissenschaftliche Abschlussarbeiten, Wien 4. bearb. Aufl. 2016 (Erstauflage 2007).

Links:

 

 

Daniela Liebscher